"Herz zu Herz" Beziehungen
Mittwoch, 17.Juni 2009
Ich möchte in ein paar Sätzen einige wichtige Grundlagen göttlicher Herz zu Herz Beziehung darstellen. Natürlich kann man über dieses Thema Bücher füllen, aber dennoch gibt es ein paar Grundsätze, über die es sich immer lohnt nachzudenken
von Johannes Braun
Ich möchte in ein paar Sätzen die Grundlagen göttlicher Herz zu Herz Beziehung darstellen. Natürlich kann man über dieses Thema Bücher füllen, aber dennoch gibt es ein paar Grundsätze, über die es sich immer lohnt nachzudenken:
Gott hat den Menschen geschaffen in seinem Ebenbild – da wir aus ihm geboren sind (Joh. 3,5-6) und weil Jesus in uns wohnt (Kol 1,27), haben wir Seine Gene in uns. Er ist unser Vater! Sein Charakter, Sein Potenzial, Seine Stärken sind in uns. Das bedeutet gleichzeitig, dass weil Gott ein Gott der Beziehung ist - weil sein ganzes Sein und Herz ausgerichtet sind, mit uns in Beziehung zu treten - ist auch in unserem Herzen die tiefe Sehnsucht nach Beziehung und tiefem Erkennen des anderen angelegt.
Tiefe Beziehung ist gekennzeichnet von Freiheit und Liebe. Das bedeutet, der ganze Aspekt von "Kontrolle" muss überdacht werden. "Kontrolle" heißt, ich versuche den anderen durch Worte, Taten, Blicke, Atmosphäre usw. so zu beeinflussen, dass Situationen zu meinen Gunsten verlaufen. Dies geschieht, weil in mir noch Angst ist – zum Beispiel, Angst, zu kurz zu kommen, verletzt zu werden, zu versagen oder abgelehnt zu werden. Kurz, wo Kontrolle im Spiel ist, ist Furcht im Hintergrund.
Gott sagt in 1.Johannes 4,18: „Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus, denn die Furcht hat es mit Strafe zu tun. Wer sich aber fürchtet, ist nicht vollendet in der Liebe.“ Diesen Satz kann man aber auch umdrehen: Nicht nur treibt die völlige Liebe die Furcht aus, sondern auch die Furcht treibt die Liebe aus. Ist also meine Beziehung mit Kontrolle – also Furcht – belastet, kann das nur auf Kosten der Liebe gehen! Der einzige, den ich kontrollieren kann, bin ich selbst. Ich kann nur mich selbst in meinen Gedanken, Worten, Taten und meiner Ausstrahlung überprüfen und zurechtrücken. Versuche ich das mit anderen, übernehme und beeinflusse ich ihr Leben in einer Weise, wie es mir nicht zusteht. Damit schmälere ich die Freiheit unserer gemeinsamen Beziehung entscheidend!
Ein weiterer Punkt, den es auch in dem voran gegangenen Bezug zu überdenken gilt, ist der Aspekt des "Problem-Lösens". Vor allem in christlichen Kreisen und Familien wird viel Wert darauf gelegt, die Probleme des anderen mitzutragen und möglichst viel zur Lösung beizutragen. Das ist biblisch gesehen auch nicht unbedingt falsch. In Galater 6, 2 steht: „Einer trage des anderen Lasten, und so werdet ihr das Gesetz des Christus erfüllen.“ Und doch ist es so, dass wir in das Leben des anderen eingreifen, wenn wir seine Probleme auf uns nehmen und für ihn lösen. Wir nehmen dem anderen damit die Möglichkeit, selbständig eine Lösung zu erarbeiten und mündig zu sein bzw. mündig zu werden. Auf eine Weise halten wir die andere Person klein, besonders, wenn dieser wichtige Schritt, selbständig eine Lösung zu erarbeiten, nie gelernt wurde. Natürlich sollen wir einander helfen, beraten (sofern erwünscht), ermutigen und stützen! Aber es können auch wir selbst sein, die vielleicht die Tendenz haben zu versuchen, ein Problem, das vor uns steht, auf dem schnellsten Weg jemand anderem zu Lösung „unterzuschieben“. Das kann schon dadurch geschehen, in dem ich versuche (bewusst oder unbewusst) den anderen emotional „mitzunehmen“. Eventuell erwarte ich schon ein „also, ich würde in diesem Fall…“ oder „du könntest ja…“. Auch hier ist das meistens der Fall, wenn das Problem-Lösen in der Kindheit nicht unterstütz wurde, bzw. ganz selbstverständlich von den Eltern oder Geschwistern übernommen wurde.
Der ganze Bereich von gesunden Grenzen in einer Beziehung wurde schon in vielen Büchern behandelt. Doch auch hier möchte ich einfach noch einmal erwähnen, dass sowohl Kontrolle, als auch das Problem-Lösen für andere, persönliche Grenzen massiv verschieben kann. Das betrifft die Grenzen des anderen, die ich überschreite, als auch meine eigenen, die von anderen überschritten werden. Im Fall des Problem-Lösens wird das sogar von mir in Kauf genommen, damit ich erreiche, nicht abgelehnt zu werden, eine „problemfreie“ Familie/Beziehung zu haben oder mein Bedürfnis nach Harmonie zu stillen.
Ein Weg zu einer Beziehung in Freiheit ist Transparenz. Transparent sein bedeutet, ich teile dem anderen mein Herz mit. Lasse ihn wissen, wie ich etwas wahrnehme und z.B. was mir Angst macht dabei. Auch in der Transparenz gilt, ich diszipliniere mich! Das mag für eine Frau bedeuten, klare Inhalte zu äußern und nicht nur ein Schwall an Emotionen; für einen Mann könnte es zum Beispiel sein, überhaupt sein Herz wahrzunehmen und zu lernen, Gedanken und Gefühle zu formulieren. In diesem Prozess müssen Emotionen evtl. neu erfahren und definiert und Kommunikation ausgebaut werden. Vielleicht kommt manches an die Oberfläche, was doch schon so lange vergessen in der Kindheit geschah. Aber es lohnt sich, alles anzuschauen, was einer Beziehung von Herz zu Herz im Weg steht. Und Gott, der ein Gott der Beziehung ist, wartet nur darauf, uns auf dabei mit allem auszurüsten was wir brauchen!
Martina
